Indien

New Delhi – 19.10.17

Bei der Einreise in New Delhi machten wir ein paar extra Runden, bis schlussendlich alles klappte. Zuerst sind wir ca. 15 min. am falschen Schalter angestanden und wurden dann an den Richtigen verwiesen. Kurz bevor wir an der Reihe waren, bemerkte Bopa, dass der erste Beamte mir ein Einreisedokument nicht zurückgegeben hatte. Somit mussten wir nochmals zurück zum ersten Schalter und durften uns danach beim richtigen Schalter erneut in die Schlange stellen. Tja, alle guten Dinge sind 3. 😉 Am Flughafen wechselten wir direkt ein paar Dollars in indische Rupien um, damit wir ein bisschen Kleingeld hatten und kauften uns anschliessend gleich ein Ticket für ein „Prepaid Taxi“. Falls ihr mal nach Indien reist, nehmt unbedingt ein „Prepaid Taxi“, denn diese werden von der Polizei registriert und dienen somit eurer Sicherheit. Erst wenn man sicher am Zielort angekommen ist, händigt man dem Taxifahrer den grünen Zettel aus. Während der Fahrt ins Hotel „The Prime Balaji Deluxe“ waren wir etwas angespannt, da uns die Gegend nicht ganz geheuer war. Nachdem wir freundlich empfangen wurden, bezogen wir unser Zimmer mitten im Geschehen mit atemberaubender Aussicht…..

Als wir kurze Zeit später an die Rezeption gingen um Geld zu wechseln, kamen wir per Zufall mit einer jungen Frau, Diana, ins Gespräch. Sie erkundigte sich gerade bezüglich der Sicherheit in dieser Gegend. Der Rezeptionist meinte nur, sie solle vor 22.00 Uhr zurück sein, dann sollte nix passieren. Wir spürten, dass es ihr trotzdem nicht ganz wohl war – also um ehrlich zu sein nicht nur ihr. So beschlossen wir kurzerhand gemeinsam mit einem Tuk-Tuk ins Zentrum zu fahren. Aufgrund des „Diwali“ – ein mehrtägiges hinduistisches Lichterfest in Indien, vergleichbar mit Weihnachten – waren viele Geschäfte und Restaurants geschlossen. Deshalb fuhren wir bereits nach einer Stunde wieder zurück und stellten fest, dass in unserer Strasse viel mehr offen hatte als im Zentrum.

Nach einem kurzen Spaziergang machten wir einen Abstecher in ein indisches Restaurant und hatten ein wirklich leckeres indisches Abendessen.

Als wir zurück im Hotel waren, wollte ich die ersten Eindrücke von Indien festhalten. Doch schon nach den ersten paar Sätzen ist mir mein Laptop aus Versehen aus der Hand gerutscht und knallte auf den Boden. Shiiiiiiiiiiiiit! Bopa schaute mich an und meinte nur: „ich luegu wasi cha machu“. Zum Glück ist er mir nicht auf den Display gefallen und so konnte er ihn wieder zusammenflicken. Jetzt ist er praktisch wieder wie neu – viiiiiiiiielen lieben Dank Schatzi. 😉

Agra – 20.10.17

Am nächsten Morgen fuhren wir gleich nach dem Frühstück mit einem Fahrer von New Delhi nach Agra. Mit dem Namen dieser Ortschaft hatte ich echt Probleme. Es hatten mich zwar immer alle verstanden und dachten es sei ein Versprecher, jedoch wusste ich wirklich nie, wie es richtig heisst. Ich sagte die ganze Zeit AGAR, da ganz in der Nähe des Ortes in dem Bopa aufgewachsen ist, es eine Ortschaft gibt die Agarn heisst….. 😉 Egal, einfach da wo der „Taj Mahal“ steht. Die Fahrt war tiptop und die Strassen in einem sehr guten Zustand, was wir so nicht erwartet hätten.

Als der Fahrer nach gut 3 Stunden in die Strasse unserer Unterkunft „The Coral Court Homestay“ abbog, wusste ich gleich, dass es uns hier gefallen wird. Nachdem wir sehr freundlich von zwei jungen Indern empfangen wurden und ein tolles Zimmer im Homestay beziehen durften, fühlten wir uns pudelwohl.

Wir hatten uns kurz frisch gemacht und sind mit einem Tuk-Tuk zum „Mehtab Bagh“ – Moonlight Garden, nördlich vom Taj Mahal auf der anderen Seite des Yamuna River gefahren.

Kaum im Garten angekommen, kamen bereits die ersten Inderinnen auf mich zu und wollten ein Foto. Aus einem Foto wurde schlussendlich ein kleines Fotoshooting. Auf einmal hatte ich auch noch ihr Kind auf den Armen, welches mich nur mit grossen Augen anschaute und noch überraschter war als ich selbst. 😉
 

Am Abend liessen wir uns von der Mama im Homestay bekochen – denn bei Mama isst man doch immer am Besten – und das war hier absolut der Fall.  

Am nächsten Morgen hatte uns um 5.30 Uhr der Wecker aus dem Tiefschlaf gerissen und wir machten uns bereit um den „Taj Mahal“ zu besichtigen. Der „Kronen-Palast“, welches die genaue Übersetzung von Taj Mahal ist, liess der damalige Grossmogul, Schah Jahan, als Grabstätte für seine Frau Mumtaz Mahal errichten. Nachdem wir die Tickets gekauft hatten und mit dem Bus zum Eingang gefahren wurden, traf uns fast der Schlag. Wir hatten nie damit gerechnet, dass um diese Uhrzeit schon so viele Leute anstehen würden. OMG! Als wir uns der Schlange näherten dachte ich: „komisch, da hat es ja nur Männer, wo sind denn all die Frauen?“. Nachdem ich den Kopf noch etwas weiter nach rechts drehte, sah ich hinter den Männern noch eine andere, viel längere Kolonne mit den Frauen. Hier wurde einerseits nach dem Geschlecht und andererseits auch nach Einheimischen und Ausländern unterteilt. 

Nachdem wir das Schlange stehen überstanden hatten und ich bei der Kontrolle meine TicTac’s abgeben musste, da diese aus unerklärlichen Gründen nicht gestattet waren, standen wir mit 1000 anderen vor dem „Taj Mahal“. Ein Foto zu knipsen auf welchem nicht noch 1000 Inder standen, war beinahe unmöglich. So versuchten wir uns – wie alle anderen auch – ein Plätzchen zu ergattern, damit wir ein paar Selfies machen konnten.

Nachdem wir unser Fotoshooting beendet hatten, wollten wir den „Taj Mahal“ von innen bestaunen. Da folgte direkt die nächste Schlange. Diesmal wurde jedoch nur noch zwischen Einheimischen und Ausländern unterschieden. Drinnen war es wie in einer Sardinenbüchse – man klebte beinahe aneinander fest. Zudem drückten sich die Einheimischen mal von rechts, dann wieder von links nach vorne und ein paar Sekunden später das Gleiche wieder von vorn. So ging es die ganze Zeit, bis wir wieder draussen waren und das Schlimmste an der ganzen Sache, es war überhaupt nicht sehenswert. Den „Taj Mahal“ von aussen zu betrachten ist grandios, aber alles andere kann man sich sparen.

Als wir genug hatten, fuhren wir stehend in einem vollgestopften Mini-Bus an den Ticketschalter zurück und spazierten gemütlich zu Fuss zu unserem Homestay zurück.

Nach dem leckeren Frühstück machten wir nochmals ein kleines Nickerchen und fuhren dann im späteren Nachmittag spontan zu einem Bazar, welcher uns empfohlen wurde. Dort angekommen schauten wir uns beide nur an und mussten erst mal eine Runde laut lachen. Der Bazar war so klein und jeder 2. Laden hatte geschlossen oder verkaufte die gleichen Schuhe wie nebenan. Bereits nach 5 min. waren wir am Ende angelangt und beschlossen mit einem Tuk-Tuk wieder in unsere Gegend zurückzufahren.

Beim Flanieren kauften wir uns beide ein paar „Pluderhosen“ – yeah, voll der Partnerlook. 😉 Am Abend genossen wir erneut ein leckeres Essen im Hotel „Mama“ und planten unsere Weiterreise nach Jaipur. In der Zwischenzeit wurden uns auch die frisch gewaschenen Kleider zurückgebracht. Voller Vorfreude schaute ich in den Sack – ich liebe den Duft frisch gewaschener Kleider – und sah eine fremde Unterhose. Hmmm, beim Durchsehen bemerkte ich, dass dafür eines meiner Shirts fehlte. Die Unterhose gaben wir natürlich umgehend wieder zurück, jedoch fehlte von meinem Shirt jede Spur. Shit happens und hoffentlich hat diejenige, die es nun hat viel Freude damit – es war schliesslich mein Lieblingsshirt. 😉  

Nach zwei Übernachtungen in diesem super Homestay, hatten wir uns entschieden unsere Reise fortzusetzen. Agra war spitze und wir können jedem dieses Homestay nur Bestens empfehlen. Es gibt lediglich zwei Kleinigkeiten die man wissen sollte. Es ist ein vegetarisches Homestay und zum Duschen gibt es morgens und abends ganz klare Zeiten, an welchen man warmes Wasser hat. Alles andere ist einfach nur spitze. 

Jaipuir – 22.10.17 

Auf der Fahrt von Agra nach Jaipur machte der Fahrer einen Halt beim „Fatehpur Sikri Fort“. Hier befand sich Ende des 16. Jahrhunderts die ehemalige Hauptstadt des Mogulreiches. Die Baudenkmäler des Palastbezirks stehen seit 1986 unter dem Schutz der Unesco und gehören zum Weltkulturerbe der Menschheit. Wir schauten uns gemütlich den Palast und anschliessend die Moschee an. Genau an diesem Tag trug ich ein ärmelloses Shirt und Bopa kurze Hosen. Beim Palast war es kein Problem, jedoch bei der Moschee musste ich mir einen Umhang ausleihen und Bopa zog seine Shorts einfach bis über die Knie. Kaum angekommen hatte Bopa ein Selfie-Shooting mit seiner neuen Boyband. 😉

Beim Herumspazieren trafen wir auf eine indische Familie, welche unzählig viele Fotos mit uns wollte. Witzigerweise sassen sie etwa 2 Stunden später auf der Rückfahrt im Bus direkt vor, neben und hinter uns. 

Kaum setzte unser Fahrer die Weiterreise fort, ging schon bald nichts mehr. Stau! Wie im Gubrist, hier einfach 7-spurig und mit einem riesen Gehupe. Teilweise konnte ich gar nicht hinsehen wie nahe die sich auffuhren und wie sich in die kleinste Lücke noch ein riesen Laster quetschte. Kein Wunder, dass jedes Auto mehrere Beulen hatte. Wir standen, standen und standen – es kam mir vor wie zu Hause. Unzählig viele Inder – von Kleinkindern bis zu Grossmüttern – hatten uns zugewunken und fielen teilweise vor lauter winken fast aus dem Auto. Es ging immer genau gleich. Einer im Auto hatte uns entdeckt und kurze Zeit später winkten uns alle Insassen zu. 😉 Eigentlich planten wir noch einen Halt beim „Chand Baori“ – Stufenbrunnen zu machen. Dies ist ein Brunnen, welcher je nach Wasserstand aufgrund seiner Stufenbauweise eine unterschiedliche Oberflächengrösse aufweist. Da wir jedoch sehr lange im Stau standen, kamen wir erst um 17.40 Uhr beim Brunnen an. Leider hatten wir nur noch 20 min. Zeit, bevor er schliesste. Dies war etwas schade, aber für einen schnellen Rundgang und ein paar Fotos hatte es dennoch gereicht.

Erst gegen 20.00 Uhr sind wir dann schlussendlich im Hotel „Leisure Inn Grand Chanakya“ in Jaipur angekommen. Gerade bei der Ankunft klingelte das Handy vom Fahrer. Es war der Besitzer des Homestay’s in Agra, welcher sich erkundigte, ob wir gut angekommen seien. Er war etwas beunruhigt, da er vom Fahrer noch nichts gehört hatte. Bopa ging selbst kurz ans Telefon und bestätigte ihm, dass alles in Ordnung sei. Bereits beim Einchecken spürten wir, dass hier ganz ein anderes Klima herrschte. Das Personal war extrem unfreundlich und das Zimmer roch so streng nach Schimmel, dass wir ein anderes Zimmer verlangten. Zuerst kam einer der Angestellten vorbei und sprühte etwas Raumspray umher. 10 min. später war der Geruch natürlich wieder da und somit durften wir das Zimmer wechseln. Zu Beginn wollten sie uns das gleiche Eckzimmer einen Stock tiefer geben, welches noch schlimmer war als das Erste. Als dann der Angestellte selbst bestätigte, dass es in beiden Zimmern „stinkt“, kriegten wir ein drittes Zimmer. Das war OK, aber trotzdem fühlten wir uns in diesem Hotel nicht wirklich wohl. Nach einem sehr scharfen Abendessen krochen wir in unseren Seidenschlafsack, da ab und zu ein paar Ungeziefer in unserem Bett krabbelten.

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich unsere Weiterreise planen, da das Internet jedoch sehr langsam war, liessen wir die ganze Sache sein und besichtigten den „Hawa Mahal“ – Palast der Winde. Es ist ein architektonisch aussergewöhnliches Bauwerk in der Altstadt von Jaipur und ist ein Teil des riesigen Stadtpalasts der hiesigen Maharajas. Das den verschwenderischen Lebensstil der Raiputenfürsten dokumentierende Lustschloss wurde im Jahr 1799 erbaut und ist als eine der Hauptsehenswürdigkeiten Indiens in aller Welt bekannt. Echt beeindruckend und absolut lohnenswert sich anzusehen. 

Als wir anschliessend noch ein bisschen durch die „Pink City“ schlenderten, sah ich einen kleinen Knaben mit seiner Mutter am Boden sitzen, welcher mich ganz verängstigt anschaute. Kaum hatte mich sein Vater entdeckt, wollte er mir den Kleinen gleich in die Armen geben und ein Foto machen. Doch der Kleine schrie auf der Stelle los, dass ich ihn gleich wieder zurückgab. Natürlich hatte er sich schnell wieder beruhigt und somit machte ich dann ein Foto von ihm und seiner Mama. 😉

Kurze Zeit später kam eine Familie auf uns zu, welche ein Foto mit Bopa und der Kleinen wollte. Danach stellte sich jedoch heraus, dass sie Geld wollten und das Foto rein als Vorwand brauchten.

Wir hatten uns entschieden noch länger in Jaipur zu bleiben und setzten uns nach unserer Rückkehr nochmals in die Lobby um ein anderes Hotel zu buchen. Denn da wollten wir auf keinen Fall bleiben. Das Internet war nach wie vor nicht das Schnellste, aber es reichte gerade aus um die Buchung zu tätigen. Am Abend gingen wir in ein richtig leckeres indisches Restaurant essen, bevor wir wieder in unseren Schlafsack krochen.  

Am nächsten Morgen waren wir froh, dass wir wieder auschecken konnten. Das Personal war von A-Z sehr unfreundlich und man fühlte sich überhaupt nicht willkommen. Einzig der Portier hatte immer ein freundliches Lächeln drauf und mich hatte es beim Frühstück einmal fast verputzt vor Lachen, als Bopa sich Cornflakes aus der Büchse drehen wollte und diese auf einmal auseinander fiel. Die Cornflakes waren im ganzen Raum verteilt. Traurig aber wahr, dass waren die einzigen Highlights in diesem Hotel. 

Wir nahmen unsere sieben Sachen und hielten ein vorbeifahrendes Tuk-Tuk an, welches uns in die nächste Unterkunft brachte. In der Schweiz war das Hotel „ibis“ bis jetzt unsere Absteige wenn wir ans Gurten gingen, jedoch hätten wir nie gedacht, dass wir dies auch einmal im Ausland buchen würden. Doch schlussendlich war es das Beste war wir tun konnten. Es war sauber und das Internet tiptop, genau was wir brauchten. Nachdem wir eingecheckt hatten, bestellten wir uns wieder mal ein UBER und fuhren zum „Amber Fort“. Forts wurden gebaut um die eroberten Länder zu halten und die Menschen zu unterdrücken. Natürlich auch um eine Stadt zu sichern und sie vor Eindringlingen zu schützen. Bereits im Jahre 1592 begann der Bau der mächtigen Festung auf einem Bergkamm des Aravalli-Gebirges, nur 10 km von Jaipur entfernt. Heute finden hier häufig Dreharbeiten für den einen oder anderen Bollywood-Film statt. 

Der Innenhof der Festung…..

Die Aussicht von der Festung…..

Ein neuer Anstrich kann der Festung sicherlich nicht schaden. Einfach herrlich, wie unkompliziert dies hier angepackt wird…..

…..und wenn man mal keine Lust zum arbeiten hat, findet man hier problemlos ein Versteck.

Wir waren fasziniert von dieser Festung und die Besichtigung hatte uns echt Spass gemacht. Wie fast überall, hatte es auch hier nur wenige Europäer, weshalb wir in der Menge sehr schnell auffielen. Kaum fragte einer nach einem Foto, kamen sie wie Ameisen aus den Löchern und wollten gar nicht mehr aufhören. Wir hatten nicht mitgezählt, aber es waren weit über 100 Fotos die von uns oder mit uns gemacht wurden. Der Ablauf war meistens der Gleiche. Zuerst gab es ein Foto mit der Mutter und dem Kind, danach nur mit dem Kind, anschliessend kam der Vater hinzu, dann alles noch einmal ohne Kind, teilweise stellte sich auch noch die Grossmutter hinzu und zum Abschluss gab es noch ein Familienfoto. 😉 

Die Skepsis ist dem Kleinen ins Gesicht geschrieben. Er näherte sich ganz langsam zu mir hin und legte plötzlich – auch wenn noch etwas ängstlich – den Arm um mich. Einfach nur süss….. 😉

Diese Mädchen waren so köstlich, sie wollten gar nicht mehr aufhören mich zu halten und sich an mich zu kuscheln. Insbesondere das Mädchen im roten Kleid wollte mich gar nicht mehr gehen lassen…..

Bevor wir uns mit dem Tuk-Tuk auf den Rückweg machten, gab es ein „Papadam“ zu knabbern, welches Bopa in seinen sexy Pluderhosen präsentierte. 😉 

Auf dem Rückweg machten wir noch einen kurzen Stop beim „Jal Mahal“ – Wasserpalast. Dieser entstand erst um das Jahr 1750 und diente vorwiegend als „Jagdschloss“ anlässlich der alljährlich stattfindenden Entenjagden. Sein Untergeschoss war wegen des wechselnden Wasserstands niemals nutzbar und der Zugang erfolgte über eine Treppe an der Aussenwand.

Danach ging es weiter zum „Jantar Mantar” –  Magisches Gerät. Dies ist der Name von fünf historischen astronomischen Sternwarten. Die Anlage in Jaipur wurde von 1727 bis 1733 errichtet und beherbergt 14 nach astronomischen Gesichtspunkten entworfene Bauwerke. Sie dient unter anderem zur Messung der Zeit. Leider ist uns zuvor etwas die Zeit davongelaufen, weshalb wir uns etwas beeilen mussten. Es war echt bewundernswert, was im 17. Jahrhundert hier erbaut wurde. Bei ganz genauem hinsehen erkennt man, dass wir um 16.35 Uhr dort waren. 

Da wir das Abendessen inkl. hatten, probierten wir es mal aus und waren erstaunt, wie lecker das Essen war. Danach freuten wir uns so sehr auf das saubere, weiche Bett und waren froh ohne Schlafsack schlafen zu können.

Am nächsten Morgen war arbeiten angesagt. Bopa installierte eine App auf meinem Laptop mit welcher ich künftig Videos schneiden kann und teste diese natürlich gründlich aus. Da wir ein bisschen die Nase voll hatten von Indien, wollten wir eigentlich spontan auf die Malediven fliegen. Somit suchte ich in dieser Zeit nach passenden Unterkünften. Nach etwa 2 Stunden war Bopa mit allem fertig und ich zeigte ihm meine Favoriten. Kurz bevor wir eine Unterkunft buchen wollten, meinte er wie denn eigentlich das Wetter sei. Hmmm, gute Frage ich hatte keine Ahnung bzw. dachte etwa so wie hier. Als ich dann die Wettervorhersage anschaute, konnte ich es gar nicht glauben – 80% Niederschlag. Shiiiiiiiiiit, somit war die ganze Arbeit umsonst, echt ärgerlich. Alles nochmals vor vorn. Diesmal schaute ich Hotels in Goa an, wo die Wettervorhersage grandios war. Im späteren Nachmittag machten wir einen Break und fuhren mit einem Tuk-Tuk zur „Pink City“. Wir schlenderten durch die Stadt und schauten dem Treiben auf den Strassen zu. 

Die Rückfahrt zum Hotel war legendär. Wir hatten wohl den ältesten und langsamsten Tuk-Tuk-Fahrer in ganz Indien. Wir konnten uns kaum noch halten vor Lachen, wir wären zu Fuss echt schneller gewesen. Restlos alle haben uns überholt und wir wussten wirklich nicht, ob er es noch bis zum Hotel schaffen würde. Ein süsses, altes Männlein, dass mussten wir einfach festhalten. 

Nach dem Abendessen setzten wir uns nochmals in die Lobby und begannen mit unserem Buchungsmarathon. Da es von Jaipur nach Goa leider keine Direktflüge gab, entschieden wir uns am nächsten Morgen mit einem UBER nach New Delhi zu fahren. Somit buchten wir für eine Nacht ein Zimmer in New Delhi sowie den Flug nach Goa. Mit der Buchung des Fluges hatten wir wieder so unsere Probleme. Bei der Bezahlung wurden all unsere Kreditkarten – wir versuchten es mit drei verschiedenen – abgelehnt. Somit durften wir wieder einmal einer Airline anrufen. Die Leute waren jedoch alles andere als hilfsbereit und absolut unfreundlich. Jedesmal wenn man etwas nicht ganz genau verstanden hatte und nochmals nachfragte, legten sie einfach auf. Ehrlich, dass ist kein Witz! Nach dem 3. Versuch wurde es uns zu doof und somit buchten wir zwei neue Flüge über die Airline „SpiceJet“, bei welcher alles wunderbar geklappt hatte. Von der „IndiGo“ haben wir bis heute nie wieder etwas gehört. Da unser Wunschhotel in Goa leider in der ersten Nacht kein Zimmer mehr frei hatte, buchten wir für eine Nacht eine günstige Unterkunft ganz in der Nähe und anschliessend fünf Nächte im Hotel W Goa. Als wir alles gebucht hatten, konnten wir endlich ins Bett. 

New Delhi again – 26.10.17

Am nächsten Morgen machten wir uns mit einem UBER auf Richtung New Delhi. Im Hotel „Aura“ angekommen, traf uns fast der Schlag. Wir hatten ja schon einige schäbige Unterkünfte, aber so etwas war echt noch nicht dabei. Es war alles sehr alt, dreckig, das Bad voller Ungeziefer, der Spiegel zerbrochen, die Bettwäsche voller Flecken, etc. Einfach nur hässlich. Augen zu und durch, es war nur für eine Nacht. Als wir uns kurze Zeit später an der Rezeption bezüglich des Flughafentransfers erkundigten, schauten sie uns ganz erstaunt an und meinten, dass es nur „Airport Pick-up“ gäbe, aber keinen Transfer. Wir zeigten ihnen unsere Buchung, wo es schwarz auf weiss stand, jedoch interessierte es keinen. Sie wiederholten sich die ganze Zeit und sagten stets, es gäbe nur Pick-up. Jede Diskussion war sinnlos. Da uns die ganze Sache tierisch auf die Nerven ging, überlegten wir uns tatsächlich für einen kurzen Moment das Hotel zu wechseln, was wir schlussendlich sein liessen. Nach dem Abendessen hüpften wir schnell in unseren Schlafsack und waren froh als wir am nächsten Morgen von einem UBER abgeholt und zum Flughafen gefahren wurden. Nichts wie weg hier!

Goa – 27.10.17

Nach ca. 2.5 Stunden landeten wir glücklich in Goa und nahmen ein Taxi zu unserer Unterkunft „The Hawaii Comforts“. Schon bei der Ankunft am Flughafen hatte man das Gefühl in einem anderen Land zu sein. Es war sehr sauber, die Leute sehr freundlich, kein ständiges Gehupe auf den Strassen – einfach herrlich. Wir wurden sehr freundlich von zwei Inderinnen begrüsst, dass wir uns gleich sehr willkommen fühlten. Kaum im Zimmer angekommen wollten wir nur noch unter die Dusche, da wir im vorherigen Hotel keinen Schritt in die Badewanne wagten. Frisch geduscht machten wir einen Spaziergang über einen Markt und hatten danach in einem sehr coolen Restaurant ein leckeres, aber viel zu scharfes, indisches Abendessen. Ich musste es sogar nochmals zurückgeben, damit der Koch es etwas entschärfen konnte. 

Am nächsten Morgen war es dann endlich soweit und wir fuhren mit einem Taxi zum Beachhotel „W Goa“. WOOOOOOOOOOOW, schon bei der Hinfahrt blieb uns fast der Atem weg. Ach ist das geil hier! Die Anlage ein Traum, das Personal extrem freundlich und das Zimmer ein Paradies. 

In diesem wunderschönen Hotel konnten wir unsere Zweisamkeit in vollen Zügen geniessen. Jeden Tag hatten wir ein super leckeres Frühstücksbuffet, chillten am Pool, machten einen Spaziergang am Beach und wurden kulinarisch – zur Abwechslung mal nicht nur indisch – vom Feinsten verwöhnt. Einfach ein Traum. 😉

Das Hotel verfügte zwar über keine Liegestühle direkt am Beach aber dafür gab es einen tollen „Rockpool“, von welchem man an den Beach konnte. 

Es wurde uns allerdings empfohlen keine Wertsachen mit an den Beach zu nehmen, da es nicht sicher war. Als wir einen Spaziergang machten, lag wirklich niemand am Beach, nicht einmal Einheimische. Dafür kam uns nebst den Strassenhunden auch ab und zu mal eine Kuh entgegen. 😉

Hier konnten wir so richtig gut entspannen und es fehlte uns an nichts. Einzig das Bopa sich eine Erkältung zugezogen hatte und ich leider davon auch nicht verschont blieb, war etwas lästig. Ansonsten ging es uns blendend. Da ich mich noch nicht riesig mit meinem Blog auseinandersetzte, nutzte ich die Zeit am Pool und haute ab und zu in die Tasten. Ausserdem musste ich mich endlich mal entscheiden wie der Blog heissen sollte, damit Bopa mir den Domainnamen kaufen und auf seinem Server installieren konnte. Zudem ging uns langsam die saubere Wäsche aus, weshalb wir uns im Hotel bezüglich des Laundry-Services erkundigten. Da die Preise abartig hoch waren – ca. 70 Dollar für einen Sack voller Wäsche – entschieden wir uns die Wäsche selbst zu waschen, was wunderbar klappte. 

Wir hatten uns lange überlegt noch eine Nacht länger in Goa zu bleiben, da es uns extrem gut gefallen hatte. Doch schlussendlich entschieden wir uns für zwei Nächte ein wunderschönes Hotel in Mumbai zu buchen. Nach fünf genialen Tagen im „W Goa“, stand leider schon unser letzter gemeinsamer Abend am Beach vor der Tür. So langsam aber sicher wurde uns beiden bewusst, dass der Abschied immer näher kommt…..

Mumbai – 02.11.17

Der Flug nach Mumbai dauerte etwas mehr als 1 Stunde, so dass der Pilot kurz nach dem Start gleich wieder zur Landung ansetzte. Ich war sehr froh, dass der Flug so kurz war, da mir die Erkältung ziemlich zusetzte. Nach der Landung fuhren wir mit einem „Prepaid Taxi“ zum Hotel „The Oberoi“. Das W Goa war ja schon grandios, aber was wir hier antrafen, war kaum zu übertreffen. Wir wurden wie Götter behandelt, einfach absolute Weltklasse.

Aufgrund meiner Erkältung legte ich mich nach einem sehr leckeren Abendessen in die Badewanne. Zuvor erkundigten wir uns an der Rezeption ob sie ein Erkältungsbad hätten. Dies war leider nicht der Fall, dafür liessen sie mir einen „Hot Toddy“ auf unser Zimmer schicken. Ein Hot Toddy ist Whiskey in heissem Wasser mit Zucker und Zitrone, gemischt mit Gewürzen wie Zimt, Muskatnuss und Nelken. Obwohl ich den Geschmack so richtig hässlich fand, riss ich mich zusammen und trank den ganzen Krug leer. Bopa und das Personal hatten sich echt liebevoll um mich gekümmert.

Am nächsten Morgen machten wir einen kleinen Spaziergang in der Nähe des Hotels und fuhren anschliessend mit einem Taxi zu einer Apotheke. Da mir meine Medikamente gegen Erkältung oder Erkältungen langsam ausgingen, beschloss ich mich in Indien noch einmal einzudecken. Solange ich Medikamente und Tee zu mir nahm, ging es mir recht gut. Sobald die Wirkung nachliess, war es dann schon wieder vorbei. Als wir wieder im Hotel zurück waren, gingen wir für 15 min. ins Dampfbad, was mir sehr gut tat. Leider hatten wir von Mumbai praktisch nichts gesehen, dafür kannten wir fast alle Angestellten des Hotels. 😉

Da unsere Flüge erst um 1.00 und 1.20 Uhr waren, erkundigten wir uns an der Rezeption, ob wir das Zimmer noch einen halben Tagen länger buchen könnten. Da der Hotelmanager mitkriegte, dass ich nicht so fit war, sagte er seinem Angestellten, dass wir das Zimmer bis 20.00 Uhr haben könnten. Als wir dann beim Angestellten nachfragten wie teuer dies wäre, meinte er nur der Hotelmanager hätte gesagt umsonst. Das war echt eine nette Geste, woraufhin wir uns selbstverständlich persönlich beim Manager bedankten. Am Abend hatten wir erneut ein super feines Nachtessen in einem italienischen Restaurant, welches ebenfalls zum Hotel gehörte. Als wir dann wieder auf dem Zimmer waren, liessen sie mir erneut einen „Hot Toddy“ schicken, welcher noch stärker war als der am Tag zuvor. Danach konnte ich jedoch tiptop einschlafen.

Nun war es tatsächlich soweit, der letzte Tag war eingetroffen. Nach dem Frühstück gingen wir noch ein bisschen an den Pool und am späteren Nachmittag fingen wir mit dem Packen an. Die Stimmung war sehr betrügt. Auch wenn wir beide versuchten den Abschied zu verdrängen, gab es Momente in denen uns die Tränen nur so über die Wangen kullerten. Es war echt hart und seeehr emotional. Selbst jetzt – eine Woche später – laufen mir beim Schreiben dieser Zeilen die Tränen über mein Gesicht…..

Nach dem Auschecken fuhren wir mit einem Taxi zum Flughafen, obwohl es eigentlich noch viel zu früh war. Wir wollten bewusst sehr früh los, damit wir keinen Stress hatten. Wir setzten uns gemütlich in die Lounge und assen noch eine Kleinigkeit. Unsere Flüge waren im selben Terminal, jedoch wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass mein Gate verschoben wurde und nun direkt neben dem Gate von Bopa war. Echt ein komisches Gefühl, wenn man weiss, dass sich bald unsere Wege für 7 Wochen trennen werden. Etwa eine halbe Stunden später, nachdem wir beim Gate ankamen, fingen sie mit dem Boarding an. Schon beim Anstehen konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten und sie liefen unaufhaltsam über meine Wangen. Der Steward nahm mich kurz zur Seite und sagte, dass ich noch eine Weile da stehen bleiben könne um mich zu verabschieden. Ich drückte Bopa noch einmal gaaanz fest und hätte ihn am Liebsten gar nicht mehr losgelassen….. Doch dann lief ich die Schleuse hinunter und sah auf der anderen Seite Bopa, welcher in der Zwischenzeit auch boardete. Wir winkten einander durch die Schleusen zu bis wir uns nicht mehr sahen. Dies war der absolut härteste Abschied in meinem Leben. Mit knallroten Augen stieg ich in den Flieger ein und bat den Mann am Fenster, mit Blick auf Bopa’s Flieger, mit mir den Platz auf der anderen Seite am Fenster zu tauschen. Er schaute mich erstaunt an und ich erwiderte mit Tränen in den Augen, „in the plane over there is my boyfriend“. Als er mir in die Augen schaute, stand er wortlos auf und lächelte mich bedauernd an. Wir schickten einander Nachrichten zu und versuchten uns zu sehen, was jedoch bei dieser Dunkelheit unmöglich war. Trotzdem hatten wir immer noch das Gefühl ganz nahe beieinander zu sein. Kurze Zeit später machte sich mein Flieger auf zur Startbahn und ich schluckste nur so vor mich hin…..

2 Gedanken zu „Indien&8220;

  1. Hallo Martina.Es ist phantastisch deine Reiseberichte zu lesen! Deine tollen Bilder aus Indien haben mich sehr berührt.Es sind zwar schon 14 Jahre seit wir die selben Sehenswürdigkeiten bestaunt haben, doch die gewaltigen Eindrücke bleiben für immer.
    Ich wünsche dir viele wunderschöne Erlebnisse und freue mich auf News.

    Mit ganz liebem Gruss
    cili

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